Dienstag, 5. Juni

Vom Camp gehen wir eine knappe Viertelstunde den Strand entlang nach Okrug. Von hier aus fährt regelmäßig eine kleine Personenfähre nach Trogir, dem Ort, dem wir heute unsere Referenz erweisen wollen. Auf einer kleinen Insel gelegen und schon im dritten Jahrhundert von griechischen Kolonisten gegründet, hat sich Trogir als wichtige Ansiedlung in der Region behauptet. Sein geschlossenes mittelalterliches Stadtbild hat ihm bereits 1997 den Titel einer Weltkulturerbestadt eingebracht. Aber schon 1965 konnten Europas Kinogänger das Rathaus von Trogir in Winnetou III auf Breitwand als Gouverneurspalast von Santa Fé erleben. Von der Fähre aus geraten uns als erstes die Überreste der Festung Kamerlengo in den Blick. Als wir aussteigen und durch die Stadtmauer den Ort betreten wird klar: Hier ist seit dem Mittelalter jeder Stein auf dem anderen geblieben. Notwendige Modernisierungen werden behutsam vorgenommen, so dass sich selbst Bankautomaten in dieses Ensemble einfügen. Wir besteigen den Turm der St. Laurentius - Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und haben einen wunderbaren Blick über die Stadt und die Umgebung. Der Ort leidet natürlich unter den vielen Menschen, die ihn Tag für Tag besuchen. Er hat sich jedoch sein eigenes Lebensgefühl bewahrt.
Blick von der Fähre auf Trogir und die Festung Kamerlengo
Blick von der Fähre auf Trogir und die Festung Kamerlengo
Eingang zum historischen Stadtkern
Eingang zum historischen Stadtkern
Stadttor und Stadtmauer
Stadttor und Stadtmauer
Uhrenturm und Rathaus
Uhrenturm und Rathaus
In den Gassen von Trogir
In den Gassen von Trogir
Teil des Renaissanceportals der Kathedrale
Teil des Renaissanceportals der Kathedrale
Blick über die Dächer
Blick über die Dächer

Donnerstag, 7. Juni

Es sind nur wenige Kilometer vor Trogir bis Split - wir verlassen das Camp in Okrug um zehn Uhr und sind schon kurz vor elf auf dem Platz in Split. Als wir 1974 an Split vorbeifuhren, machte die Stadt auf uns einen düsteren, leicht schmutzigen Eindruck. Hätten wir geahnt, welche Schätze dieser Ort birgt, hätten wir uns damals schon hierher auf den Weg gemacht. Der römische Soldatenkaiser Diokletian ließ sich zum Ende seiner Amtszeit hier einen riesigen Palast bauen, dessen Fläche einen großen Teil der heutigen Altstadt von Split ausmacht. Nach dem Zusammenbruch des Reiches haben die Bürger von Split sich den Palast zu eigen gemacht und ihn umgebaut, Einbauten vorgenommen, ihn belebt. Die UNO hat den gesamten Palast mit seinen historischen Veränderungen auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Wir fahren vom Camp mit dem Bus in die City und lassen diese schöne Stätte auf uns wirken.
Peristyl des Diokletianpalastes
Peristyl des Diokletianpalastes
Dalmatinische Legionärstatisten am Palasteingang
Dalmatinische Legionärstatisten am Palasteingang
Uhrenturm
Uhrenturm
Frühchristliches Taufbecken im Jupitertempel
Frühchristliches Taufbecken im Jupitertempel
Kampanile und Kathedrale, ehemaliges Mausoleum
Kampanile und Kathedrale, ehemaliges Mausoleum
Südseite des ehemaligen Palastes
Südseite des ehemaligen Palastes

Freitag, 8. Juni

Im Moment haben wir ein Revival mit dem Jahr 1974: Wir sind in Makarska, dem Ort an der dalmatinischen Küste, den wir vor vierundvierzig Jahren mit einem Ford Transit gemeinsam mit Elsbeh, Walter, Bärbel und Michael angesteuert haben. Wir erkennen fast nichts wieder. Der Campingplatz von damals ist nicht mehr - es gibt aber einen neuen in unmittelbarer Entfernung. Die gesamte Makarska-Bucht ist jetzt von einer Promenade gesäumt, an der sich Restaurants, Shops, Eisdielen und anderes drängen. Kein Vergleich mit dem wilden Strand von damals. Makarska ist fest in der Hand von Touristen. Aber es gibt in der Altstadt noch reizvolle Ecken und Plätzchen, die wir damals nicht gesehen haben. 
Makarska-Bucht
Makarska-Bucht
Strand am altem Campingplatz
Strand am altem Campingplatz

Samstag, 9. Juni

Der Abschied von Makarska fällt nicht schwer - zu viel Trubel, zu viel Kommerz. Über die Küstenstraße machen wir uns auf den Weg nach Dubrovnik, der ehemaligen Adelsrepublik Ragusa. Es ist eine wunderschöne Fahrt entlang der adriatischen Küste - immer wieder der Blick auf das Meer und die vorgelagerten kleinen und größeren Inseln. Der Oleander blüht und das blaue Meer, die kleinen Dörfer mit ihren weißen Häusern und roten Dächern bieten dem Auge ein farbenprächtiges Schauspiel. Wir erreichen ohne Probleme unser anvisiertes Camp und machen uns nach einer Pause mit dem Bus auf in die historische Altstadt. Seit 1979 ist Dubrovnik als Weltkulturerbe gelistet - diese Nachricht hat mittlerweile die ganze Welt erreicht. Die Stadt ist voller Menschen aus allen Nationen. Am Hafen liegen zwei große Kreuzfahrtschiffe, die diese Menschenflut hier herangeführt hat. Dubrovnik ist weiterhin wunderschön - es sind aber jetzt zu viele Menschen hier. Als wir 1974 hier waren, saßen in den Gassen noch alte Frauen, die Spitzendeckchen klöppelten. Jetzt regiert hier der Gaststättenkommerz. Schade...
Teil der alten Stadtbefestigung
Teil der alten Stadtbefestigung
Flaniermeile
Flaniermeile
Verschwenderische Eleganz
Verschwenderische Eleganz
Alte Gassen
Alte Gassen
Am Hafen
Am Hafen

Sonntag, 10. Juni

Das ehemalige Jugoslawien hat sich bekanntlich nach dem Ende der Ära des Sozialismus in seine Teilrepubliken zerlegt. Nachdem wir Slowenien und Kroatien bereits unsere Aufwartung gemacht haben und auf dem Weg nach Dubrovnik auch durch einen kleinen Korridor von Bosnien/Hercegovina fahren mussten, ist heute Montenegro an der Reihe. Uns zieht es nach Kotor, der Stadt, die zugleich zwei Unesco Prädikate auf sich vereint - einmal ist die Bucht von Kotor als Weltnaturerbe gelistet und zum Zweiten gehört die Altstadt von Kotor zum Weltkulturerbe. Von der Straße aus können wir noch einen letzten Blick aus der Vogelperpektive auf Dubrovnik werfen, dann geht es weiter die Adriaküste entlang bis wir die Bucht von Kotor erreichen. Wir verzichten auf eine Fahrt mit der Fähre und umrunden die Bucht mit dem Womo. Unser Stellplatz liegt direkt am Wasser und die Altstadt ist fußläufig erreichbar. Innerhalb eines Festungsrings präsentiert sich Kotor wie im Mittelalter. Uns empfängt eine angenehme Atmosphäre - die Stadt ist nicht so voll. Nach einem erfrischenden Bad am Nachmittag bummeln wir abends noch einmal durch die Straßen und genießen das Spiel einer Violonistin bei einem Glas Weißwein.
Ein letzter Blick auf Dubrovnik
Ein letzter Blick auf Dubrovnik
Kleine Insel in der Bucht von Kotor
Kleine Insel in der Bucht von Kotor
Kathedrale
Kathedrale
Platz in der Altstadt
Platz in der Altstadt
Alter Basar
Alter Basar

Montag, 11. Juni

Das ist ein Schreck in der Morgenstunde: Ein Kreuzfahrtschiff bahnt sich seinen Weg durch die Bucht und rangiert in den Hafen. Es ist zwar nicht so groß wie die Schiffe in Dubrovnik, aber die Menschenmassen werden gleich durch die Altstadtgassen strömen. Wir sind aber auch schon abfahrbereit und machen uns auf den Weg nach Albanien, diesem Land, das für fünfzig Jahre weitestgehend von der Außenwelt abgeschnittenes war, weil es sein Diktator Enver Hodscha so wollte. Nach kurzer Fahrt erreichen wir den Grenzübergang. Eine Plakette erinnert daran, dass dieser Übergang 2009 mit EU-Mitteln geschaffen wurde, der erste Grenzübergang in das westliche Nachbarland. Am Vodafonshop kurz hinter der Grenze spricht mich ein Jugendlicher an - er hat drei Jahre in Freiburg mit seiner Familie gelebt. Hier hat er gut deutsch gelernt und trauert wohl der Zeit hinterher. Sein Freund aus der Schule besucht ihn jedes Jahr. Nachdem wir informationstechnisch wieder auf dem Laufenden sind besorgen wir uns in Skoder noch albanische Währung und steuern dann unser Camp am Stadtrand an.
Kreuzfahrtschiff in der Bucht von Kotor
Kreuzfahrtschiff in der Bucht von Kotor
Bürg von Skoder
Bürg von Skoder

Dienstag, 12. Juni

Gemütlich ist es hier im Camp in Skoder. Die Wohnmobile gruppieren sich im Kreis um den Swimmingpool, der uns bei der Hitze, die im Moment herrscht, willkommene Abkühlung bringt. Wir drehen schon vor dem Frühstück unsere erste Runde. Danach schwingen wir uns auf die Räder und starten eine Radtour entlang des Skoder-See. Trotz intensiver Sonneneinstrahlung ist es erträglich, weil der See immer wieder für ein frisches Lüftchen sorgt. Das Gewässer liegt in einem Naturpark und so begleiten blühende Wildblumen unsere Tour. Der See scheint ein Refugium für Riesenkarpfen zu sein. Mit einem Fischer kommen wir ins Gespräch - er hat zehn Jahre in Rimini gearbeitet, so parlieren wir auf Italienisch. Auf seine Karpfen ist er sichtlich stolz. In einem kleinen Dorf trinken wir auf der Terasse des einzigen Gasthauses noch etwas. Hühner laufen in den Gassen herum, einige Boote liegen am Strand. Touristen kommen hier wohl selten vorbei.
Erste Moschee in Albanien
Erste Moschee in Albanien
Fischer bei der Arbeit
Fischer bei der Arbeit
Prachtexemplar
Prachtexemplar
Päuschchen unterm Olivenbaum
Päuschchen unterm Olivenbaum
Albanische Dorfidylle
Albanische Dorfidylle