Samstag, 15. Juni

Wir verabschieden uns vom stolzen Hahn und seiner treuen Henne, die uns in den letzten Tagen Gesellschaft geleistet haben und machen uns auf den Weg nach Kappadokien. Die Landschaft wechselt von Hochebene nach Mittelgebirge. Nach Wäldern folgen Getreidefelder, wir sehen viele Quellen  am Straßenrand, die große Viehtränken speisen. Nach zweistündiger Fahrt erreichen wir unser Ziel bei Göreme. Kappadokien ist ein Landstrich, in dem die Eruption von zwei Vulkanen Tuffgestein an die Erdoberfäche gebracht hat und hier zu den skurrilsten Formen erkaltet ist. Aber auch unter der Erde ist dieses weiche Gestein präsent und diente der Bevölkerung zur Anlage von unterirdischen Städten. Wir sehen auf unserem Weg Garagen, die in das Gestein geschlagen wurden und vielfältigste menschliche Nutzung. Im Kerngebiet bei Göreme verwandelt sich die bislang beschauliche Umgebung in einen touristischen Hotspot. Wir rangieren uns vorsichtig durch das Gewirr von großen Autobussen, die Touristen aus aller Welt hierher karren. Unser Ziel, das Kaya-Camp, lässt dies aber alles hinter sich. Wir stehen auf einer Aussichtsterrasse mit Panoramablick. 
Hahn mit Henne
Hahn mit Henne
Stellplatz im Kaya-Camp
Stellplatz im Kaya-Camp
Blick von unserer Terrasse
Blick von unserer Terrasse
Tuffsteingebirge
Tuffsteingebirge
Wiedehopf im Geäst
Wiedehopf im Geäst

Sonntag, 16. Juni

Um halb vier Uhr ist für uns die Nacht zu Ende. Wir haben Tickets für eine Heißluftballonfahrt über die Tufflandschaft Kappadokiens gebucht. Eine halbe Stunde später fährt der Kleinbus vor, der uns zum Startplatz bringt. Mit uns im Bus ein buntes Gemisch aus vielen Nationen. Als wir ankommen ist es immer noch dunkel, aber die Szenerie wird durch die Gasbrenner erleuchtet, die die Luft in den Ballons erhitzen. Langsam richtet sich die Riesenhülle auf und wir können mit einer Leiter einsteigen. Noch kurze Verhaltensregeln für die Landung vom Piloten, dann steigt der Ballon unaufhaltsam nach oben. Mit uns tun das eine Vielzahl anderer Heißluftgefährte und es ergibt sich ein kaum beschreibbares Bild. Wie große Lampionfackeln schweben wir über die noch im Morgengrauen daliegende Tufflandschaft. Die rötliche Verfärbung am Horizont lässt bereits den Sonnenaufgang erahnen. Unser Pilot steuert den Ballon sicher über Hügelkuppen, lässt ihn in tiefe Rinnen abfallen und steuert ihn durch riesige Tuffsteinstelen. Das alles geräuschlos, nur ab und zu vom Fauchen des Gasbrenners unterbrochen. Die Fahrt verläuft völlig ruhig, es gibt kein Schwanken oder Schaukeln. Dann setzt ein Ballon nach dem anderen zur Landung an. Unser Pilot setzt unseren Korb sicher auf dem Anhänger des Transportwagens ab. Ein tolles Erlebnis ist zu Ende.
Die Luft im Ballon wir erhitzt.
Die Luft im Ballon wir erhitzt.
Die Ballone steigen in den Morgenhimmel
Die Ballone steigen in den Morgenhimmel
Fahrt über die Tufflandschaft
Fahrt über die Tufflandschaft
Abstieg in die Rinne
Abstieg in die Rinne
Unser Pilot
Unser Pilot
Durch die Tuffsteinstelen
Durch die Tuffsteinstelen
Gekonnte Manöver
Gekonnte Manöver
Ansetzen zur Landung
Ansetzen zur Landung
Langsam sacken lassen...
Langsam sacken lassen...
Geschafft!
Geschafft!
Um sieben Uhr sind wir wieder zurück, frühstücken und verwenden dann unseren frühmorgendlichen Energieschub zu einer ausgedehnten Wanderung durch das vor uns liegende Tuffsteingebirge. Zunächst geht es durch eine schmale Klamm, die vom Wasser durch den Tuff gegraben worden ist. Gelegentlich gibt es Tunnels oder auch Brücken. Der ganze Weg ist wegen der Wasserfülle an den Rändern grün bewachsen, Vogelgezwitscher und Schmetterlinge begleiten uns auf dem Weg. Eine Bäuerin bietet am Wegesrand frisch gepressten Orangensaft an - ein Genuß für unsere mittlerweile durstige Kehlen. Wir erreichen ein kleines Dorf, das in großen Teilen in den Tuff hineingebaut ist. Den Rest unser Rundwanderung absolvieren wir mit zusammengebissenen Zähnen: Mittlerweile steht die Sonne schon im Zenit und es gibt keinen Baum, kein Strauch, der Schatten spendet. Wir erreichen dann endlich wieder besiedeltes Gebiet und leisten uns für die letzten zwei Kilometer ein Taxi.
Unterwegs im Gebirge
Unterwegs im Gebirge
Durch den Tunnel
Durch den Tunnel
Brücke aus Tuffstein
Brücke aus Tuffstein
Stelen
Stelen
Kegel
Kegel
Byzantinische Kapelle im Tuff
Byzantinische Kapelle im Tuff
Café im Tuff
Café im Tuff

Montag, 17. Juni

Heute haben wir uns eine lange Strecke vorgenommen - es geht quer durch Anatolien von Südwest nach Nordost. Dabei fahren wir lange durch das anatolische Hochland und überschreiten mehrere Pässe, die über 2000 Meter hoch liegen, erreichen dabei Höhen, in denen noch Schnee gibt, aber immer auf gut ausgebauten, meist vierspurigen Straßen. Die Landschaft im Hochland ist wenig abwechslungsreich, aber in den Gebirgen von großer Schönheit. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir einen Ort kurz vor Trabzon am Schwarzen Meer. Hier übernachten wir. 
Bei Sonnenaufgang noch ein Blick auf einen Ballon
Bei Sonnenaufgang noch ein Blick auf einen Ballon
Abschied von Kappadokien - kleines Dorf
Abschied von Kappadokien - kleines Dorf
Attrappe der Verkehrspolizei unterwegs
Attrappe der Verkehrspolizei unterwegs
Der große Meister überall im Bild
Der große Meister überall im Bild

Dienstag, 18. Juni

Die Anstrengung von gestern hat sichausgezahlt: Heute sind es nur noch gut zweihundert Kilometer bis zur georgischen Grenze. Wir fahren ab Trabzon immer am Schwarzen Meer entlang, das sich heute in einen leichten Dunst hüllt. Rechts der Straße große Teeplantagen - der Großteil des türkischen Tees wird hier angebaut. Die Abfertigung an der Grenze geht schnell und unkonventionell, der Zöllner ist mehr an uns und unserer Route interessiert, als an möglichem Schmuggelgut. Dann noch schnell die notwendige Haftpflichtversicherung besorgt und auf geht es nach Batumi. Für Georgien gibt es keine Navikarte, so sind wir auf Verkehrsschilder und Intuition angewiesen. Schnell finden wir einen Parkplatz in unmittelbarer Strand- und Stadtnähe. Batumi ist eine große Überraschung. Zu Sowjetzeiten war die Stadt immer schon der Badeort für die begüterten Sowjetbürger. Heute präsentiert sich die Stadt lebendig, mit modernen Gebäuden, einer kilometerlangen Strandpromenade und Kunst auf Schritt und Tritt. Nachts gibt es dazuvielfältige Lichtinstalationen.
Strandleben
Strandleben
Strandpromenade
Strandpromenade
Strandpromenade bei Nacht
Strandpromenade bei Nacht
Ohne Worte
Ohne Worte
Synagoge
Synagoge
Twin-Towers: Hilton Hotel
Twin-Towers: Hilton Hotel
Gebäudeensemble bei Nacht
Gebäudeensemble bei Nacht
Ali und Niko bei Nacht
Ali und Niko bei Nacht
Ali und Nino: Verschmelzende Figuren
Ali und Nino: Verschmelzende Figuren

Mittwoch, 19. Juni

In Georgien geht die Uhr jetzt zwei Stunden vor. Wir leben mit der Sonne, da fällt die Zeitverschiebung gar nicht so auf. Also, als wir heute um halb acht aufstehen, ist es in Münster noch halb sechs. Nach dem Frühstück machen wir uns mit den Rädern auf den Weg, die Strandpromenade zu erkunden. Die ist mittlerweile ungefähr acht Kilometer lang und sehr gut hergerichtet. Ein breiter Fußweg und ein Radweg säumen den Strand. Die Aufgänge werden von Kunstinstallationen geschmückt. Der Strand besteht zwar aus grobem Kieselstein, aber in regelmäßigen Abständen gibt es Duschen und Umkleidemöglichkeiten. Die Hälfte der Strecke trennt noch eine Kiefernwaldpromenade den Strand von dem eigentlichen Innenstadtbereich. Dann folgen Hotels - alle große Ketten dieser Welt sind hier prominent vertreten. Ab und zu gibt es noch Häuser aus der Sowjetzeit dazwischen. Die sind aber größtenteils in einem beklagenswerten Zustand. Das gleiche gilt für die Altstadt: Sehr schön restaurierte Kirchen und alte Häuser, aber auch Gebäude an denen der Zahn der Zeit sehr heftig genagt hat.
Gepflegte Strandpromenade
Gepflegte Strandpromenade
Aufgang zum Strand
Aufgang zum Strand
Alt und neu nah beieinander
Alt und neu nah beieinander
St. Nikolaus-Kirche
St. Nikolaus-Kirche
Kathedrale
Kathedrale
Haus in der Altstadt
Haus in der Altstadt
Häuserzeile in der Altstadt
Häuserzeile in der Altstadt

Donnerstag, 20. Juni

Mestia liegt im Herzen des Kaukasus.Gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde hier ein Konzept des sanften Tourismus entwickelt. Die Umgebung von Mestia bietet sich für Bergwanderungen an- deshalb wurden zukünftige Bergführer, Hotel- und Pensionsbetreiber auf ihre neuen Aufgaben geschult. Der Staat investierte in die Infrastruktur und so präsentiert sich die Kaukasusgemeinde heute als ein Anlaufpunkt für anspruchsvolle Bergwanderer aus aller Welt. Wir fahren von Batumi hinauf in diese kolossale Bergregion. Die Strecke ist weitgehend gut befahrbar, doch bei dem schon im Reiseführer als solches bezeichneten „SchwarzenLoch“, gerät die Fahrt zur Schlitterpartie durch schwarzen Matsch. Der einsetzende Regen tut ein Übriges. Vor einer stark ausgefahren Stelle lassen wir jedoch lieber erst einem PKW den Vortritt. Der nimmt das Stück mit Bravour. Wir hinterher mit Schwung und schon ist es geschafft. Der Rest ist dann wieder Berg- und Talfahrt. Wir sind in Swanetien!  Die Region ist durch die Festungstürme bekannt, mit denen sich die Bergbevölkerung vor Angreifern schützte. Wir wollen morgen das Festungsdorf Ushguli besuchen. Am Abend genießen wir ein Konzert mit georgischer Musik und georgischem Essen.

Unterwegs in Swanetien
Unterwegs in Swanetien
Grandiose Landschaft
Grandiose Landschaft
Mestia im Herzen des Kaukasus
Mestia im Herzen des Kaukasus
Stellplatz im Dorf
Stellplatz im Dorf

Freitag, 21. Juni

Pünktlich um neun Uhr steht er am Marktplatz. Schako, unser Fahrer für die Tour nach Ushguli. Die Strecke ist in einem so schlechten Zustand, dass nur Allradfahrzeuge zugelassen sind. Mit Schako haben wir uns gestern telefonisch verabredet. Und schon geht die Fahrt los, über Stock und Stein. Gelassen nimmt unser Fahrer alle Hindernisse, ob wir Furten durchqueren, schräge Schotterbetten durchfahren oder uns durch riesige Schlammpfützen quälen müssen. Kein Problem. Nach zwei Stunden Fahrt (für vierzig Kilometer), sind wir am Ziel: Das Wehrdorf Ushguli. Hier scheint die Zeit seit hunderten von Jahren stehengeblieben. Einzig die Elektrizität und das Auto haben den Weg hierher gefunden. Wir laufen über die schmalen ungepflasterten Dorfstraßen, fast an jedem Haus steht ein Festungsturm und die Schweine und Kühe sind unsere Begleiter. Ein Frau bietet uns selbstgemachten Käse und Yoghurt an, dazu gibt es Heidelbeeren. Wir treffen Karina, eine junge Deutsche, die in Mestia Projekte begleitet und den Kindern in der Schule Englischunterricht gibt. Sie erzählt von ihrer Arbeit und lädt uns zu einer Filmvorführung heute Abend ein. Wir nehmen gerne an und erfahren in dem Film am Abend viel Neues über das Dorf Ushguli und die Menschen in Swanetien. Der Film zieht viele Besucher aus aller Welt an. Wir treffen Austalier, Slowaken, Deutsche, Russen im Kino und haben interessante Gespräche. Ein ereignisreicher Tag.
Unterwegs nach Ushguli
Unterwegs nach Ushguli
Ushguli, auf der Liste des Weltkulturerbes
Ushguli, auf der Liste des Weltkulturerbes
Wehrtürme
Wehrtürme
Im Dorf
Im Dorf
Unsere Weggefährten
Unsere Weggefährten
In der Kirche
In der Kirche
Brücke
Brücke
Erinnerungsfoto
Erinnerungsfoto

Samstag, 22. Juni

Rechtzeitig starten wir heute früh nach Kutaissi. Wir müssen einen Großteil der Strecke wie auf der Hinfahrt nehmen. Es gibt aber keine Probleme, das Schwarze Loch ist wieder abgetrocknet, alles paletti. In Kudaissi wollen wir zur Bagrati-Kathedrale, doch jetzt bekommen wir unsere nicht vorhandene Navigationhilfe zu spüren. In Kutaissi ist ein Teil der Strecke wegen Bauarbeiten gesperrt, Umleitungsschilder gibt es nicht (Hinweisschilder sind sowieso rar). Die Internetapps sind auch keine rechten Hilfen, und so dauert es dann, bis wir endlich vor diesem Nationalheiligtum stehen. Die Kathedrale  wurde im elften Jahrhundert erbaut, im siebzehnten Jahrhundert von den Osmanen zerstört und blieb bis vor über fünfzig Jahren eine Ruine. Die Restaurierungsarbeiten haben sie jetzt aber wieder in altem Glanz wiederauferstehen lassen. Heute ist in der Kathedrale ein Priester aufgebahrt, vermutlich der Bischof. Die Bevölkerung nimmt in großer Anzahl bis in die Abendstunden Abschied. 
Bagrati-Kathedrale
Bagrati-Kathedrale
Katafalk
Katafalk
Glockenturm
Glockenturm
Springbrunnen in Kutaissi
Springbrunnen in Kutaissi