Montag, 2. März

Heute wollen wir den Antiatlas durchqueren, um nach Tafraoute zu kommen. Gestern haben wir schon alles startklar gemacht, um heute Morgen nicht zu viel Zeit zu verlieren. Unsere Nachbarn, Roland und Christa, fahren heute auch wieder. Die Verabschiedung ist herzlich. Wir haben uns gut verstanden.
Unser Weg führt uns durch eine wunderbare Bergwelt, die uns immer wieder mit Neuem überrascht. Das Gebirge ist karg und steinig, lässt uns aber immer wieder durch die changierenden Farben erstaunen. Auch leben hier viele Streifenhörnchen, die wir häufig am Straßenrand beobachten können. Am frühen Nachmittag erreichen wir Tafraoute mit seinem riesigen Talkessel aus rotem Granit. Wir haben Glück und finden wieder einen schönen schattenspendenden Platz unter Palmen. Während ich dies schreibe, geht die Sonne unter und aus dem Fenster sehe ich eine Palme im Abendrot.
Bergwelt des Antiatlas
Bergwelt des Antiatlas
Dorf mit terrassierten Feldern
Dorf mit terrassierten Feldern
Ziegen im Arganbaum
Ziegen im Arganbaum
Ausgetrocknetes Flussbett
Ausgetrocknetes Flussbett
Kasbah mit Ksar im Antiatlas
Kasbah mit Ksar im Antiatlas
Am Abend in Tafraoute
Am Abend in Tafraoute

Dienstag, 3. März


Wir genießen das Frühstück im hellen Sonnenschein. Über die Berge ist die Sonne aufgegangen und vertreibt die Kühle der Nacht. Ein Ziegenhirt treibt seine Herde über den Platz. Die Tiere wissen schon, dass es hier immer etwas besonderes zu ergattern gibt. Die meisten Camper heben Gemüse und Brotreste für die Tiere auf. Wir kennen das Ritual und haben uns darauf eingestellt. Als ich unsere Reste verteile, werde ich gleich von einer kleinen Meute umringt. Am Vormittag gehen wir zum Markt und kaufen ein. Besonders der Honig hat es uns angetan. Es gibt Orangen-, Tymian- und Eucalyptushonig. Wir kaufen ein Glas von letzterem - sehr aromatisch! Ab Mittag wird es sehr heiß,  das Thermometer klettert auf 34°Celsius. Wir lassen es langsam angehen und brechen erst am Nachmittag zu einem längeren Spaziergang in die Umgebung auf. In der Nähe eines Nomadenlagers entdecken wir einen Pferch mit einem „Ziegenkindergarten“. Alle Zicklein sind sicher noch keinen Monat alt, einige tragen noch die Reste der Nabelschnur. Der Abend ist warm - wir sitzen vorm Womo und genießen die Stille.
Stellplatz in Tafraoute
Stellplatz in Tafraoute
Ziegenfütterung
Ziegenfütterung
Markt in Tafraoute
Markt in Tafraoute
Abendspaziergang
Abendspaziergang
Ziegenkindergarten
Ziegenkindergarten

Mittwoch, 4. März

Heute ist es bereits um zehn Uhr ziemlich heiß. Wir verzichten auf die vorgesehene Wanderung und laufen stattdessen in den Ort und schlendern über den Markt. Neben Obst und Gemüse werden dort Dinge des täglichen Bedarfs angeboten, aber auch Tiere, wie Schafe und Ziegen, stehen auf der Angebotsliste. Tafraoute ist mit seinen siebentausend Einwohnern das Zentrum für die Menschen der Umgebung. In den nächsten drei Tagen findet hier das jährliche Mandelblütenfest statt. Wir sind mal gespannt, was uns erwartet.
Marktangebot: Archaische Mühlen zur Arganölgewinnung
Marktangebot: Archaische Mühlen zur Arganölgewinnung
Ebenfalls zum Verkauf: Schafe
Ebenfalls zum Verkauf: Schafe
Veranstaltungsbanner für das Mandelblütenfestival
Veranstaltungsbanner für das Mandelblütenfestival

Donnerstag, 5. März

Bislang wähnten wir uns den Problemen der Welt in Marokko einigermaßen entrückt. Heute begegnen uns die Weltläufte gleich doppelt: Unser Enkel Jos muss in häusliche Quarantäne, weil es in seiner Kita einen Corona - Infektionsfall gibt. Noch kein Grund zur Beunruhigung, doch für Aufregung sorgt es allemal. Und - das Mandelblütenfest in Tafraoute findet nicht statt. ! Die regionale Sicherheitsbehörde hat es wegen einer möglichen Gefährdung durch das Corona - Virus abgesagt.
Dabei flattern die bunten Fahnen, die das Fest seit einer Woche signalisieren, heute besonders fröhlich im Wind. Schade! Sonst geht alles seinen Gang. Die Ziegen kommen zum Naschen vorbei und der zuverlässige Bäcker macht mit seinen „pain, pain“ Rufen auf sich aufmerksam. Die Abendsonne lässt heute die Berge in besonders effektvollem Rot erglühen.
Fahnenschmuck zum Mandelblütenfest
Fahnenschmuck zum Mandelblütenfest
Ziegenherde auf dem Nachhauseweg
Ziegenherde auf dem Nachhauseweg
Kleine Naschziege
Kleine Naschziege
Unser Boulanger
Unser Boulanger
Abendliches Antiatlasglühen
Abendliches Antiatlasglühen

Freitag, 6. März

Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf zu einer Wanderung durch die Palmerai hier in der Nähe. Hinter der ausgedehnten Palmenplantage liegt ein kleines Dorf, eigentlich der Ursprung von Tafraoute. Ein Hinweisschild zu einem „Maison Bèrbère“ erweckt unsere Aufmerksamkeit und wir stapfen durch die teils steilen und engen Gassen, bis wir das Haus auf der Hügelkuppe erreichen. Der Besitzer empfängt uns mit ausgesuchter Freundlichkeit und fließendem Englisch. Er erzählt uns von der über sechshundertjährigen Geschichte dieses Hauses, in dem immer mehrere Generationen gleichzeitig gelebt haben. Er ist sichtlich stolz darauf, dass er es geschafft hat, das Familienerbe zu sichern. Die Häuser der Nachbarschaft sind teilweise dem Verfall preisgegeben, weil die ehemaligen Bewohner auf Arbeitssuche in die großen Städte gezogen sind. Ein festes Besichtigungsentgelt nimmt er nicht. Da verläßt er sich auf die Großzügigkeit seiner Besucher.
Alte Dorfgasse
Alte Dorfgasse
Berberhaus, Besitzer
Berberhaus, Besitzer
In der Küche
In der Küche
Flur mit Tonkrügen
Flur mit Tonkrügen
Babywiege
Babywiege
Schlafraum für Kinder
Schlafraum für Kinder
Wohnzimmer
Wohnzimmer
Auf der Dachterrasse
Auf der Dachterrasse
Gerätehaus auf dem Dach
Gerätehaus auf dem Dach

Samstag, 7. März

Heute verbringen wir den Tag weitestgehend am Stellplatz. Zum Mittagessen gehen wir in den Ort - es gibt Couscous mit Hühnchen. Unsere französischen Nachbarn, alles Überwinterer, bereiten sich auf die Abfahrt vor. Der (das) Quad wird im Anhänger verstaut, alles wird geputzt und gewienert und die zusätzlichen An- und Aufbauten werden entfernt. Das ist auch die Chance für die Kinder, die die großen Wasserflaschen sammeln. Heute kaufen wir auch bei einer Frau, die über den Platz kommt, zwei Portionen marokkanischer Suppe. Sie wird auf der Basis von feinen Linsen gemacht. Das Mittagessen für morgen ist somit perfekt.
Lesestündchen unter Palmen
Lesestündchen unter Palmen
Besuch
Besuch
Frauenmeeting
Frauenmeeting
Tête de lion (Blick vom Stellplatz)
Tête de lion (Blick vom Stellplatz)