Pfingstsonntag, 9.Juni

Der Abend gestern war noch etwas unruhig. Neben unserem Stellplatz erstreckt sich ein Park, der von vielen Bewohnern Istanbuls als Freizeitgelände genutzt wird. Bei Temperaturen um fünfundzwanzig Grad Celsius natürlich verlockend dort zu grillen, mit Freunden zu plaudern und das Leben zu genießen. Wie wir heute Morgen feststellen, haben einige sogar die Gelegenheit genutzt, auf ihren Decken die Nacht zu verbringen. Neben uns steht ein Wohnmobil aus Italien, dessen Bemalung verrät, dass sein Besitzer schon die halbe Welt bereist hat. Wir plaudern etwas miteinander und er wünscht uns viel Glück für unsere Georgien-Tour. Die Überquerung des Bosporus von Europa nach Asien über die Brücke machen wir heute eigenständig. Ade Istanbul! Unser Ziel heute ist ein Campingplatz in einem kleinen Dorf an der Schwarzmeerküste. Der Chef begrüßt uns in perfektem Deutsch: Er hat vier Jahre in Köln an der Uni studiert. Wir stehen jetzt auf einer Terrasse über dem Meer und haben eine tolle Aussicht. Die nächsten Tage wollen wir hier verbringen.
Italienischer Weltenbummler
Italienischer Weltenbummler
Stellplatz an der Schwarzmeerküste
Stellplatz an der Schwarzmeerküste
Lauschiger Sitzplatz
Lauschiger Sitzplatz
Panorama
Panorama

Pfingstmontag, 10. Juni

Wir lassen es langsam angehen über dieses Pfingstwochenende. Den Tag verbringen wir mit Schwimmen, Lesen und Relaxen. Von unserem Stellplatz aus ist es nur wenige Meter bis zum Pool, von überall aus haben wir herrliche Panoramasicht. Der Platz gehört zu einer Hotelanlage, die im Stil eines Westerndorfes gestaltet ist. Überall stehen kleine Holzhäuser, die für die Gäste zur Verfügung stehen. An den Wänden hängen Fotos von Westernhelden aus Kinofilmen der Sechziger Jahre. Wir genießen die Ruhe und die Aussicht. 
Kleine Strandbucht
Kleine Strandbucht
Holzhaus auf Stelzen
Holzhaus auf Stelzen
Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Dienstag, 11. Juni

Wir fahren heute am Rand des Schwarzen Meeres entlang nach Akçakoca. Die Fahrt geht durch bewaldetes Gebirge, ab und zu wird der Blick auf das Meer frei. Die Landschaft ändert sich, jetzt bestimmen Getreide- und Sonnenblumenfelder das Bild. Dann tauchen rechts und links von der Straße große Haselnußplantagen auf. Die Haselnuß ist das Exportgut Nummer Eins. Der größte Teil der Haselnußproduktion weltweit stammt aus der Schwarzmeerregion. Es ist überall sehr grün hier. An den Bergen, die das Schwarze Meer hier begrenzen, regnen die Wolken relativ häufig ab. Dazu kommen Temperaturen um die fünfundzwanzig Grad Celsius. Optimal für das Pflanzenwachstum. Wie im Münsterland, nur wärmer. Wir erreichen Akçakoca und sind baff. Eine moderne, lebhafte Stadt mit schöner  Strandpromenade, schönen Fischrestaurants um den Hafenbereich und einem vielfältigen Warenangebot in den Geschäften. Wir stehen auf dem Campingplatz „Hamburg“. Sein Besitzer hat vor dreißig Jahren dort gearbeitet und diese Zeit nicht vergessen. 

Hasenußplantagen entlang der Strecke
Hasenußplantagen entlang der Strecke
Storchennachwuchs auf dem Dach einer Moschee
Storchennachwuchs auf dem Dach einer Moschee
Flußmündung ins Schwarze Meer
Flußmündung ins Schwarze Meer
Akçakoca
Akçakoca
Strandpromenade in Akçacoka
Strandpromenade in Akçacoka
Stockrosen an der Strandpromenade
Stockrosen an der Strandpromenade
Im Fischrestaurant
Im Fischrestaurant
Sonnenuntergang im Hafen
Sonnenuntergang im Hafen

Mittwoch, 12. Juni

Das blitzte und donnerte die ganze Nacht. Dazu das Trommeln des Regens auf dem Womodach. Wir haben schon mal besser geschlafen. Dann heute Morgen der Blick aus dem Fenster: Wir stehen mitten in einem See! Barfuß mit aufgekrempelten Hosenbeinen geht es zum Duschen - als wir zurückkommen ist der See schon etwas kleiner, das Wasser ist versickert. Doch uns beschleicht die Sorge, dass wir uns festfahren. Aber, oh Wunder, unser Ducato zieht seine Bahn über den durchfeuchteten Rasen und schon stehen wir wieder auf festem Grund. Jetzt steht der Fahrt nach Safranbolu landeinwärts nichts mehr im Weg. Ausgezeichnet mit dem Weltkulturerbesiegel, versetzt uns der Ort vierhundert Jahre zurück in die Osmanische Zeit. In keinem Ort in der Türkei findet man diesen traditionellen Stil so unverwässert erhalten. Wir spazieren durch die holprigen Gassen und nutzen das Angebot eines jungen Guide, uns mit dem Elektromobil die Stadt zu zeigen. Er studiert an der TU in Ankara Archtektur und würde gern auch mal eine deutsche Universität von innen sehen. In einem Kaffeehaus genießen wir türkischen Tee und Kaffee mit einem Stück Kuchen. Unser Kalorienbedarf ist damit für heute befriedigt.
Gasse in Safranbolu
Gasse in Safranbolu
Moschee in der Altstadt
Moschee in der Altstadt
Guide mit E-Mobil
Guide mit E-Mobil
Holzminarett
Holzminarett
Holzveranda
Holzveranda
Noch nicht renoviert
Noch nicht renoviert
Türkisches Kaffeehaus
Türkisches Kaffeehaus

Donnerstag, 13. Juni

Bevor wir weiterfahren, müssen wir noch unseren Haushalt richten: Wasser tanken, Toilette entleeren (muss sein), etwas Wäsche waschen, spülen und staubsaugen... was man im Haushalt so macht. Von unseren Nachbarn, einem französischen Ehepaar, verabschieden wir uns herzlich. Sie wollen auch nach Georgien und waren im Frühjahr ebenfalls in Marokko. Klein ist die Welt. Jetzt geht es aber los nach Zentralanatolien, wir wollen die ehemalige Hauptstadt der Hethiter besuchen, das legendäre Hattusa. Der Weg führt uns über die anatolische Hochebene. Riesige Getreide- und Reisfelder erstrecken sich entlang der Straße. Nur ab und zu taucht eine kleine Ansiedlung auf. Im Dorf Boğazkale, in der Nähe der Ausgrabung, nehmen wir Quartier im Apfelgarten eines Hotels. Sehr idyllisch.
Anatolische Hochebene
Anatolische Hochebene
Dto.
Dto.
Kleines Dorf
Kleines Dorf
Dorf mit Moschee
Dorf mit Moschee
Stellplatz im Apfelgarten
Stellplatz im Apfelgarten

Freitag, 14. Juni

Das Reich der Hethiter existierte vom neunzehnten Jahrhundert vor Christus ungefähr fünfhundert Jahre lang. Es ging sang- und klanglos unter - warum vermag kein Historiker zu sagen. Wir besuchen heute in der Frühe Hattusa, die ehemalige Hauptstadt dieser Hochkultur, die den gesamten Raum der heutigen Türkei beherrschte. Am Berg gebaut, überblickt man von hier einen weiten Raum der anatolische Hochebene. Im Eingangsbereich steht ein Modell dieser großflächigen antiken Metropole, die der deutsche Archäologe Kurt Bittel in den dreißiger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts ausgegraben hat. Es ist ein riesiges Gelände, das von einer zehn Kilometer langen Stadtmauer eingefasst wurde. Das gesamte Terrain ist durch eine Straße erschlossen, die auch wir mit dem Wohnmobil befahren dürfen. Erste Station ist in der Unterstadt bei den Grundmauern des ersten großen Tempels. Von hier hat man schon einen weiten Blick ins Land und auf ein Stück rekonstruierter Stadtmauer. Es geht weiter zum Löwentor, wo uns nicht nur die antiken Torwächter erwarten, sondern auch eine Ziegenherde, die sich intensiv dem Womo widmet. Eigentlich sollen sie ja nur das Gras im Gelände kurz halten. Ein kurzer Pfiff des Hirten und schon macht sich die Truppe wieder an die Arbeit. Ein hundert Meter langer Tunnel verbindet am nächsten Haltepunkt Innenstadt und Außenbereich. Dort wachen zwei Sphinx-Figuren über die Sicherheit der Anwohner. So geht es den ganzen Vormittag weiter. Immer wieder werden wir von der Vielfältigkeit dieser viertausend Jahre alten Hochkultur überrascht. Den Nachmittag verbringen wir in Ruhe auf unserem Platz am Hotel.
Modell von Hattusa
Modell von Hattusa
Rekonstruierte Stadtmauer
Rekonstruierte Stadtmauer
Löwentor
Löwentor
Neugierige Ziegenherde
Neugierige Ziegenherde
Tunnel
Tunnel
Pyramidenaufgang
Pyramidenaufgang
Sphinxtor
Sphinxtor
Königstor (Replik)
Königstor (Replik)
Außentor
Außentor
Relief
Relief
Hethitische Hieroglyphen
Hethitische Hieroglyphen
Götterrelief
Götterrelief
Schwertgott
Schwertgott
Blick von den Ruinen der Königsburg
Blick von den Ruinen der Königsburg