Es ist dunstig heute Morgen, die Sonne kann sich nicht recht durchsetzen. Wir gehen trotzdem schwimmen, obwohl die nächtliche Abkühlung des Wassers noch nicht durch die Sonne wettgemacht werden kann.
Wir beschließen, heute weiter die Umgebung zu erkunden und fahren zunächst zu dem Ort am Meer, wo der antike Hafen von Epidauros im Wasser versunken ist. Vom Ufer aus ist nichts zu erkennen, auch ein
Paddler, der mit seinem Sohn die Wasseroberfläche absucht, ist nicht erfolgreich. Da wird man schon tauchen müssen, um etwas zu erkennen. Dann statten wir der Halbinsel Nisi noch einen erneuten
Besuch ab. Gestern haben wir einen kleinen Pfad übersehen, der zu der Marienkirche hinaufführt. Da wollen wir heute noch einmal schauen. Und siehe da: Nach einem Aufstieg über verschlungene Wege
stehen wir dann doch vor der kleinen Kapelle. Von hier oben aus gibt es einen guten Blick über die umgebende Bucht. Dann entdecken wir noch die Ruinen einer älteren Kirche, die am gleichen Ort
gestanden hat.
Wir wollen heute noch die nächste Bucht erreichen, hier liegt der Ort Neo Epidaurus. Kein ganz einfaches Unterfangen, die beiden Buchten sind durch einen Bergrücken, der bis ins Meer reicht,
voneinander getrennt. Mit dem Motorrad kurven wir die Bergstraße in vielen Serpentinen hinauf und wieder hinunter, bis wir Neo Epidauros erreichen. Der Ort hat nicht viel zu bieten. Es gibt viele
Ferienhäuser, die jetzt unbelebt sind, einen Hafen für Freizeitskipper und einige Restaurants. Eine kleine Kirche komplettiert das Ganze. Für uns war die Fahrt hierher das eigentliche Erlebnis.
Antiker Hafen von Epidauros (versunken im Meer)
Aufstieg zur Marienkirche auf der Halbinsel Nisi
Ruinenreste
Kleine Kirche in der Bucht von Neo Epidauros
Blick auf die Halbinsel Nisi
Donnerstag, 18. April
Die Kultstätte des antiken Asclepion gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Oben in den Bergen über Epidauros gab es schon vor über zweitausend Jahren ein großes Areal, das der Gesundheit der Menschen
gewidmet war. Wie im antiken Griechenland üblich, waren weltliche und geistliche Bereiche eng miteinander verbunden. In Epidauros wurde der Heilgott Asklepios und sein Göttervater Apollon verehrt.
Erst wenn man den beiden geopfert hatte, konnte die Therapie beginnen. Beim Heilungsprozess kamen medizinische und kulturelle Faktoren zur Anwendung. So gab es neben Kräutertherapien und heilenden
Bädern mit Wasser aus der nahegelegenen Quelle auch eine große Bibliothek - das große Theater spielte ebenfalls eine große Rolle.
Wir haben Glück: Heute ist der Tag der nationalen Museen, der Eintritt ist frei. Zunächst werfen wir einen Blick in das Museum, in dem die ausgegrabenen Artefakte ausgestellt sind. Man muss wissen,
dass die gesamte Anlage unter Sand, Steinen und Bäumen begraben war. Nach der Christianisierung des Römischen Reiches waren sogenannte heidnische Kulte verboten. Die Zerstörung der Anlage durch die
Goten während der Völkerwanderung tat ein Übriges. Der Kult und damit die Heilstätte geriet in Vergessenheit. Ausgegraben wurde hier hauptsächlich von 1889 bis 1928. Wir besuchen das Theater mit
seiner imposanten Akustik und streifen durch das großflächige Ausgrabungsgelände.
Es ist schon später Nachmittag, als wir wieder zurück sind.
Asklepios
Sanctuarium
Stadion
Theater
Freitag, 19. April
Der Wetterbericht meldet für den Nachmittag bedecktes Wetter. Da machen wir uns lieber schnell auf zu einer Motorradtour entlang der Steilküste. Die Straße verläuft mit starker Steigung, unterwegs
zeigen Schilder an, dass unsere vorgesehene Strecke wegen eines Bergrutsches nicht durchgängig befahren werden kann. Jetzt geht die Steigung in ein kräftiges Gefälle über. Von oben gab es es die
schönsten Panoramaaussichten, jetzt nähern wir uns wieder dem Meeresspiegel. Erneut taucht ein großes Hinweisschild auf, das uns das nahende Ende der Befahrbarkeit mitteilt. Doch bevor wir wenden,
halten wir noch an einem Verkaufsstand einer Bäuerin an, die ihre hausgemachten Produkte anbietet. Viel zu tun hat sie nicht. Wegen der Straßensperrung ist in diesem Straßenabschnitt fast kein
Verkehr. Wir erstehen eingekochte Orangenscheiben und ein Glas mit einer griechischen Spezialität, die wir erst noch einmal testen müssen. Dazu noch Obst und Gemüse.
Das Wetter schlägt am Nachmittag pünktlich um. Der Himmel ist bedeckt und es weht ein kräftiger Wind.
Mit dem Motorrad unterwegs
Unser Campingplatz von oben.
Panoramablick
Einkauf vor Ort
Sonntag, 21. April
Gestern gab es schon früh stürmisches Wetter, kräftiger Wind und dunkle Wolken. Heute zeigt sich der Wettergott Zeus wieder von seiner besten Seite. Schon in der Frühe erfreut ein zauberhafter Himmel
das Gemüt. Wir genießen unser Frühstück im Freien, später fahren wir in den Ort und lernen dort Wolfgang und Susanne kennen, Camper wie wir. Die beiden stammen aus Leipzig, haben viel erlebt und wir
haben uns viel zu erzählen. Das zieht sich bis in den Nachmittag hinein, da wir noch gemeinsam zu Mittag essen. Es war ein schöner, interessanter Tag.
Stürmischer Samstag
Friedlicher Sonntag
Gemeinsames Mittagessen bei griechischer Küche
Montag, 22.April
Heute heißt es Abschied nehmen von Epidauros. Bereits gestern haben wir die meisten Sachen, die wir draußen benutzt haben, sicher verstaut. Jetzt müssen wir uns nur noch mit Frischwasser versorgen,
das Brauchwasser entsorgen und bezahlen - ab geht die Fahrt. Wir fahren nach Mykene, die erste Hochkultur auf dem europäischen Festland. Wieder entdeckt wurde Mykene im 19. Jahrhundert von Heinrich
Schliemann, der auch hier auf Homers Spuren wandelte, und sich für die Ortsbestimmung eng am antiken Text orientierte.
Wir verlassen uns auf unser Navi, das uns sicher zum Campingplatz Artreus in Mykene dirigiert. Der Ort selbst hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck auf uns. Einzig die neuen Restaurants an der der
Straße zum Ausgrabungsgelände machen einen positiven Eindruck, ansonsten herrscht viel Verfall.
Unterkunft in Mykene
Stellplatz
Hirte mit Herde
Dienstag, 23. April
Diese Nacht regnet es leicht, die Überraschung kommt erst heute Morgen: Der Regen hat alles mit feinem Saharastaub überzogen! Das bedeutet, das Motorrad ist mit einer feinen Dreckschicht überzogen,
die Markise ebenfalls. Wenn wir mit unserer Solaranlage weiter Strom produzieren wollen, heißt es putzen. Die Scheiben und Dachluken des Womo lassen nur noch ein milchig-gelbes Licht durch. Wir
müssen putzen!
Nach einer knappen Stunde ist die Arbeit getan und wir machen uns auf ins antike Mykene. Wie der Name schon vermuten läßt, liegt die Akropolis oben auf dem Berg. Es gibt schon eine Schlange von
Autobussen, die darauf warten, einen Platz zum Parken zu finden. Elegant kurven wir mit dem Motorrad an den Wartenden vorbei. Doch vor der Kasse sind wir wieder gleichgestellt - wir müssen uns
anstellen. Das Warten wird durch die Tatsache versüßt, dass wir als Rentner nur sechs statt zwanzig Euro zahlen müssen. Jetzt geht es steil nach oben und wir stehen vor dem Löwentor, dem Haupteingang
des König-Palastes. Heinrich Schliemann, der Entdecker Mykenes, nahm an, dass er das Grab des Agamemnon gefunden habe. Eine prächtige Goldmaske und Grabbeigaben aus Gold verleiteten ihn zu dieser
Vermutung. Heute weiß man, dass die Grabkammer einem mykenischen Fürsten zugeordnet werden muss, der im 16. Jahrhundert v. Chr. lebte, also noch wesentlich früher, als die Ära des Helden von
Troja.
Wir erwandern das Grabungsgelände, dass sich bis zum Berggipfel hinzieht, dort wo der ehemalige Königspalast angelegt war. Die Mykenische Kultur ist die früheste Hochkultur in Festlandeuropa - die
Stätte ist als Weltkulturerbe gelistet.
Im Museum sind eine Vielzahl der gefundenen Artefakte ausgestellt, darunter auch der berühmte Grabfund mit der goldenen Maske.
Am Löwentor
Königsgrab
Goldmaske
Blick vom Königspalast ins Tal
Nebeneingang
Unterirdische Zisterne
Mittwoch, 24. April
Der Himmel heute Morgen ist gelb - der Saharastaub, der uns schon gestern einige Mühen gekostet hat, will sich noch nicht verziehen. Gut, dass wir am Abend noch alles unter Dach und Fach gebracht
haben, da müssen wir uns heute für den ordentlichen Durchblick nur noch um die Scheiben kümmern. Wir bleiben der Kultur treu und verlagern heute unseren Standort nach Korinth, genauer gesagt zum
Alten Korinth, die kleine Stadt am Golf, die in unmittelbarer Nähe zur Ausgrabung des antike Korinth liegt. Es ist nur ein kurzer Weg von sechsunddreißig Kilometern, wir kreuzen dabei den Kanal, der
seit Beginn des letzten Jahrhunderts den Isthmus durchschneidet. Unser neues Camp liegt in fußläufiger Entfernung zur Ausgrabungsstätte und dem angegliederten Museum. Doch das heben wir uns für
morgen auf. Heute fahren wir zunächst mit dem Motorrad hoch auf die alte Burg. Die Akropolis liegt in fünfhundertsiebzig Metern Höhe oben auf dem Tafelberg über der Stadt. Von hier aus konnte der
Isthmus und die sich anschließende Ebene bewacht und gesichert werden. Der Staub in der Luft hat sich mittlerweile verflüchtigt. Jetzt haben wir von hier oben aus einen herrlichen Blick über den
Golf. Leider ist das Burggelände schon früh am Mittag nicht zugänglich - schade.
Kanal von Korinth
Blick von Alt Korint zur Akropolis
Blick von der Akropolis auf den Golf
Eingang zur Burg
Donnerstag, 25. April
Das Alte Korinth hat Jahrtausende überdauert, viele Herrschaften gesehen und unterschiedlichste Bebauungen erlebt. Auch die immer wieder auftretenden Erdbeben sorgten für Veränderung im Stadtbild.
Keine leichte Aufgabe für die Archäologen, bei den Ausgrabungen die Zuordnung zu konkreten Zeitabschnitten festzulegen. Auch als Besucher tut man sich schwer, die einzelnen Grabungsbereiche den
unterschiedlichen historischen Perioden zuzuordnen. Eine große Hilfe ist dabei das archäologische Museum, das eine Vielzahl von Fundstücken aus Korinth ansprechend aufbereitet präsentiert. Der
Alltag und die Lebensweise der Menschen werden einem so nahe gebracht. Auch beim Gang über das große Grabungsfeld erfährt der Besucher durch ansprechende Schautafeln Hilfe bei der historischen
Einordnung der Überreste. So ist unser Tag ein spannendes Eintauchen in die antike Geschichte dieser besonderen Stadt.
Apollon-Tempel
Großes Brunnenhaus
Einkaufsstraße (Römerzeit)
Tempel
Votivfiguren (Grabbeigaben)
Griechisches Standbild
Mosaik
Standbilder
Freitag, 26. April
Das Kloster Hosios Lukas (Kloster des Seligen Lukas) liegt im Parnass-Gebirge in der Nähe von Delphi und geht auf den Einsiedler Lukas von Stiri zurück. Es ist eines der drei bedeutendsten
byzantinischen Klöster Griechenlands und gehört zum Weltkulturerbe. Wir wollen heute von Korinth nach Delphi fahren, da liegt das Kloster auf dem Weg. Die Strecke durch die Gebirgslandschaft von
Böotien ist ein besonderes Erlebnis: Schroff aufragende Berge fallen steil zu tief eingeschnittenen Tälern ab, dazu der gelegentliche Blick auf den Golf von Korinth. Hier, im Parnassos, ist das
Wintersportzentrum Griechenlands. Wir erreichen das Kloster des Seligen Lukas nach kurvenreicher Fahrt, vielen Steigungen und Gefällstrecken. Das Gebäudeensemble blieb seit Jahrhunderten
unverändert und man spürt die Ruhe und die Kraft, die von diesem byzantinische Kleinod ausgeht. Leider ist unser Aufenthalt nur kurz, da hier die Öffnungszeit auf 15.30 Uhr begrenzt ist.
Unsere neue Route von Epidauras zurück nach Patras
Kloster des Seligen Lukas
Eingang
Innenhof
Innenraum
Kapelle mit Fresken
Mönchsklausur
Samstag, 27. April
Unser neuer Platz in Delphi ist von besonderer Güte: Er liegt hoch überm Meer, nur vier Kilometer von der Antiken Stätte entfernt. Wir frühstücken mit Blick auf die unten liegenden Ortschaften und
den Golf von Korinth. Zügig besteigen wir das Motorrad und erreichen in zehn Minuten die ehemalige Wirkungsstätte der Pythia, der Weissagerin, die den Erzählungen nach, animiert durch besondere
Dämpfe, Rat suchenden Menschen einen Blick in die Zukunft eröffnete. Das Orakel von Delphi war in der Antiken Welt ein steter Anziehungspunkt für Menschen, die vor wichtigen Entscheidungen standen.
Das Ganze war verbunden mit religiösen Zeremonien. Die Aufsicht über das Orakel hatten die Priester. Der Prozessionsweg war gesäumt von Schatzhäusern, in denen die Städte ihren Reichtum zur Schau
stellten. Ein Apollontempel durfte nicht fehlen, den krönenden Abschluss der Anlage bildete das Theater. In der Nähe war zu Ehren der Göttin Artemis noch ein Rundtempel, ein Tholos, erbaut - auch das
Stadion und das Gymnasion schlossen sich dort an. Im Museum sind eine Vielzahl von Artefakten ausgestellt. Delphi ist wohl die vielfältigste archäologische Stätte Griechenlands. Nach fünf Stunden
fahren wir wieder zurück und sind ob der vielfältigen Eindrücke leicht erschöpft.
Blick vom Stellplatz
Modell der antiken Anlange
Apollon-Tempel
Schatzhaus von Athen
Siegessäule
Artemis-Tempel
Torwächter
Zwillinge
Goldschmuck
Wagenlencker
Montag, 29. April
Gestern haben wir uns ausgeruht. Nach den kulturellen Highlights der letzten Woche, lassen wir unsere Erlebnisse erst einmal „sacken“. Am Abend essen wir in dem kleinen Restaurant des
Campingplatzesmit mit einer unglaublichen Aussicht.
Heute geht es in Richtung Norden: Wir fahren von Delphi in die Nähe von Preveza. Der erste Teil der Route geht immer entlang dem Golf von Korinth. An der Brücke über den Meeresarm in Richtung
Patras machen wir einen Photostop, um die eindrucksvolle Golfüberquerung im Bild festzuhalten. Weiter geht die Fahrt auf der Autobahn nach Preveza. Die Straße ist neu - im Navi ist sie noch nicht als
Verkehrsweg vermerkt. Auf dem Campingplatz ist wenig Betrieb - wir finden einen tollen Platz direkt am Meer.
Abendessen mit Aussicht
Brücke über den Golf von Korinth
Neuer Stellplatz
Sundowner
Dienstag, 30. April
Wir genießen den Tag in der Sonne. Bereits zum Frühstück nutzen wir unseren Platz mit Meerblick. Lesen und die Erledigung von Hausarbeiten und Einkaufen bilden unser Tagesprogramm. Am Nachmittag
machen wir noch einen Spaziergang am Strand. Der Tag verabschiedet sich mit einem grandiosen Sonnenuntergang.
Frühstück mit Meerblick
Strandspaziergang
Sonnenuntergang
Donnerstag, 2. Mai
Das Wetter hat sich verschlechtert - es gibt viele Wolken am Himmel, die Temperatur ist gefallen. Ging Annemarie gestern noch schwimmen, denkt man heute daran nicht mehr. Ich habe mich erkältet und
muss mich da sowieso etwas zurückhalten. Aber für lange Spaziergänge am Strand langt es allemal…
Schwimmvergnügen am 1. Mai
Unendlicher Strand
Unser Campingplatz von oben
Montag, 6. Mai
Die letzten Tage sind wir in unserer Unternehmungslust etwas ausgebremst worden. Nachdem ich an einer Erkältung laboriert habe, hat sich Annemarie angeschlossen. Dazu kam ein kräftiger Wind aus
Norden, der das Draußensein nicht immer gemütlich machte. Dafür haben wir auf dem Platz nette Leute kennengelernt, die ebenfalls wie wir aus dem westfälischen Münsterland kommen. Wir besitzen
vielfältige Anknüpfungspunkte und haben uns daher auch viel zu erzählen. Heute, man feiert hier das orthodoxe Ostermontagsfest, waren wir gemeinsam essen und bekamen, wohl anläßlich des Feiertages,
nach ein großes Glas Uso als Absacker. Morgen trennen sich dann wieder unsere Wege, wir fahren weiter.