Gestern sind wir von Antalya bis Anamur gefahren. Es ist sehr windig und als wir ankommen regnet es so stark, dass wir nicht aussteigen können. Der Küstenabschnitt von Antalya über Alanya bis Anamur
ist wunderschön, doch sehr touristisch. Große Hotels und eine vierspurige Straße begleiten die Küste, erst ab Anamur wird es gemütlich. Wir übernachten am Strand, heute Morgen ist der Himmel klar,
doch es weht ein starker, kalter Wind. Wir fahren weiter bis Tasucu, unserem Hafenort für die Überfahrt nach Zypern. Schnell finden wir die das Büro der Schifffahrtsgesellschaft, um unser Ticket zu
erstehen. Die junge Frau am Schalter verhandelt mit uns auf Englisch, wenn es kniffelig wird, ruft sie ihre Mutter an, die perfekt deutsch spricht. Sie hat lange in Kiel gelebt und verhandelt dann
mit uns weiter. Alles ist perfekt. Morgen um elf Uhr kann es los gehen.
Am Strand von Anamur
Freitag, 21. März
Wenn der Wind nicht wäre…Gestern hat uns die engagierte junge Frau in der Agentur noch darüber verständigt, dass die Fähre erst um 16 Uhr abgeht. Den Nachmittag gestern haben wir mit einem
Strandbummel und bei einem hervorragenden Imbiss in einem Bistro verbracht.
Die Nacht schlafen wir im Hafen, das Wetter ist soweit gut, nur der Wind aus dem Norden ist relativ kalt. Deshalb verbringen wir heute den Vormittag im Womo, jetzt genießen wir die Aussicht auf den
Hafen und das Meer in einem kleinen Café, das genauso gut in irgendeinem Ort in Europa stehen könnte. Die Türkei hat noch einige Überraschungen für uns parat.
Hafen von Tasucu
Samstag, 22. März
Das hat an sich gut geklappt - um 16 Uhr sind wir zum Einschiffen im Hafen, danach die Prozedur des Auscheckens aus der Türkei, ein Vorgang, den der EU-Bürger schon gar nicht mehr kennt. Jetzt
beginnt das Warten auf die Einschiffung. Vor uns viele Lastwagen, mit uns zwei Wohnmobile aus Deutschland. Eine Besonderheit gibt‘s schon: Wir stehen im Obergeschoss und werden mitsamt Wohnmobil in
die obere Etage verfrachtet. Da wir hier Frischluft haben, können wir im Womo bleiben, das ist angenehm, da können wir ein Nickerchen bis zur Ankunft machen. Gegen sieben Uhr geht’s los, um zwölf Uhr
sind wir im Hafen von Girne auf Zypern. Jetzt beginnt die Einreisezeremonie, es dauert und dauert, nach drei Stunden können wir endlich den Hafen verlassen. Da wir geschlafen haben, sind wir noch fit
und fahren noch ein Stück aus Girne heraus.
Abfahrt nach Zypern
Womo-Aufzug
Unser erstes Ziel ist dann heute der Osten von Nordzypern, mit dem Kloster des Apostel Andreas. Das Kloster ist eigentlich keinen Abstecher wert, unser Interesse gilt einer fränkischen Kirche. Die
wiederum ist komplett eingerüstet und wird gerade vollständig saniert. Das besondere dieses Ortes ist aber die Umgebung. Schon der Geruch der Macchia, der einen empfängt, wenn man aussteigt, die
wilden Esel, die sich gleich um einen scharen, wenn man aussteigt (in Erwartung von Freßbarem). Wir wandern die malerische Küste entlang und beschließen, die Nacht hier zu verbringen.
Auf dem Weg: Byzantinische Kirche
Begrüßungskomite
Küstenlandschaft
Sonntag, 23. März
Wir verlassen unseren romantischen Ort am Andreas-Kloster und fahren wieder gen Westen. Nahe dem Ort Dipkarpaz befindet sich eine Kirchenruine aus dem 11. Jh., der wir einen Besuch abstatten.
Inmitten einer Blumenwiese gelegen, finden wir auch noch ein Bodenmosaik. Von dem kleinen Gasthof nebenan aus, genießen wir den Blick auf die Ruine und das vorgelagerte Meer. Da schmeckt der Tee
doppelt gut.
Morgenidylle
Goldstramd
Basilika Agios Filon
Strand
Montag, 24. März
Gestern Abend noch sind wir bis Famagusta gefahren. Bei der orthodoxen Nestorian Kirche finden wir einen schönen Platz für die Übernachtung. Mitten in der Altstadt gelegen, nahe
der ehemaligen Festung und der Nikolaus-Kathedrale. Nach dem Frühstück brechen wir auf zu einen ausgedehnten Stadtbummel und erfahren viel über die Geschichte dieser ehemaligen zyprischen Hauptstadt.
Durch den Wechsel der Herrschaft von Königtum, Venezianern, Genuesen und letztlich den Türken, verfiel diese prächtige, blühende Stadt allmählich. In der Altstadt künden die Ruinen großartiger
Kirchen und herrschaftlicher Paläste von der ehemaligen Größe im Mittelalter. Die Kathedrale und einige andere Kirchen sind in Moscheen umgewandelt worden und blieben daher weitgehend intakt. Das
innere und äußere Dekor fehlt allerdings.
Nach einem Türkischen Frühstück (statt Mittagessen)vor der Nikolaus-Kathedrale, fahren wir über die Grenze nach Südzypern, in den Südwestteil der Insel, in die Hauptstadt Nikosia. Hier finden wir
Platz an einem kleinen Park unterhalb der Stadtmauer.
In Famaguste an der Nestorian-Kirche
Nikolaus-Kathedrale
In der Altstadt
Ruine St. Peter&Paul
Palazzo del Provveditore (Palast des venezianischen Konsuls)
Dienstag, 25. März
Larnaka, ist die wichtigste Hafenstadt der Insel, der Flughafen ist Zyperns Tor zur Welt. Von Nikosia sind es knapp fünfzig Kilometer bis hierher. Wir stehen auf einem Platz direkt am Mittelmeer,
umdie Ecke ist die Hafenpromenade. Heute ist ein wichtiger Tag hier, der 25. März ist Nationalfeiertag. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, über die Hafenpromenade verläuft heute die Parade mit
denAbordnungen aller Schulen der Stadt. Da wird stramm marschiert, Fahne werden geschwenkt und Parolen skandiert. Dazu schmettern die aufgestellten Lautsprecher Marschmusik, es ist ein unheimlicher
Trubel. Entlang der Promenade stehen Buden mit Süßigkeiten und Krimskrams, ein Volksfest eben. Nach der Parade füllen sich die Restaurants der Innenstadt, an diesem Tag isst und trinkt man gemeinsam.
Schülerinnen und Schüler im Gleichschritt.
Lazarus Kloster
Moschee
Mittwoch, 26. März
Wir fahren entlang des Orfani Salzsees im Südewesten von Larnaka, da taucht sie aus dem Morgendunsr auf, die Moschee Umm Haram, das wichtigste muslimische Heiligtum Zyperns. Benannt ist sie nach der
Tante des Propheten Mohammed, die der Überlieferung nach auf Zypern durch einen Sturz vom Maultier verstorben sein soll und hier bestattet ist. Die ganze Anlage liegt in einem Zypressenhain und wird
umgeben von einem Garten. Für Pilger gibt es Unterkünfte. Mit uns besucht auch eine schwäbische Reisegruppe die Ruhestätte. Das Gebabbel ist der Ruhe und der Stimmung dieses besonderen Ortes nicht
zuträglich.
Jetzt besuchen wir eine besondere christliche Stätte: Im nahe gelegenen Kiti befindet sich in der Kirche „Haus der Engel“ (Panagia Angeloktistis) ein etwa 1400 Jahre altes Mosaik mit der
Darstellung der Heiligen Maria mit dem Kind, flankiert von den beiden Erzengeln Michael und Gabriel. Das Mosaik befindet sich in der Apsis der Kirche, einer alten byzantinischen Basilika. Nach diesem
Blick in die Vergangenheit der beiden großen Weltreligionen wenden wir uns wieder den weltlichen Dingen zu und fahren ins nahe gelegene Zygi und schlagen dort am Strand unter einer Palme und einer
Akazie unser neues Domizil auf.
Moschee Umm Haram am Salzsee
Wallfahrtsanlage zu Ehren der Tante des Propheten
Fußwaschung
Haus der Engel in Kiti
Altes Mosaik aus dem 9. Jahrhundert
Donnerstag, 27. März
Hier in Zygi gefällt es uns sehr gut - wir werden wohl noch einige Tage hier bleiben. Doch zunächst müssen wir mal Hausputz machen. Im Wohnmobil lebt man ja nur auf wenigen Quadratmetern,
dementsprechend ist die Dichte der Beanspruchung relativ hoch. Es sammelt sich schnell Staub an, man trägt leicht Schmutz ins Innere, alles Gründe, hier mal wieder kräftig durchzugehen. Durch die
Veränderung der Außentemperatur benötigen wir Dinge wie warme Jacken, Pullover u.ä. nicht mehr - all das kommt jetzt staubdicht verpackt hinten in die „Garage“. Nach gut zwei Stunden sind wir fertig,
jetzt können wir die Sonne und das Meer so richtig genießen.
Stellplatz am Meer
Im Hafen von Zygi.
Erste Kontaktaufnahme mit dem Wasser.
Campingküche
Freitag, 28. März
Die Sonne taucht heute Morgen den Strand und das Meer in ein wunderbares Licht. Glaubt man der Wettervorhersage, soll heute der wärmste Tag der Woche werden. Die Realität hält, was die Prognose
prophezeit: Es ist angenehm warm, die Temperatur liegt in der Mittagszeit bei 26°C und die Wassertemperatur lässt sich auch nicht lumpen : Das Thermometer zeigt knapp 20°C.
Annemarie ist es, die sich als Erste ins Wasser traut. Ich werde da noch etwas abwarten. Zur Mittagszeit setzen wir unser Vorhaben um, einer der zahlreichen Fischtavernen einen Besuch abzustatten.
Aus dem großen Angebot entscheiden wir uns für Fischmeze - dahinter verbirgt sich eine Auswahl an Meeresfrüchten jeglicher Art mit Beilagen. Wir werden nicht enttäuscht. Den Umfang der
servierten Speisen haben wir nicht erwartet: Immer wieder bringt die Bedienung neue Teller und Schüsseln, am Ende sogar eine große gegrillte Brasse. All das ist nicht zu bewältigen, einen Teil des
Angebotes nehmen wir eingepackt mit zum Womo.
Morgendämmerung
Schwimmvergnügen
Fischmeze Teil1
Fischmeze Teil 2
Fischmeze Teil 3
Abendstimmung am Hafen
Samstag, 29. März
Unser Wohnmobil starrt vor Dreck. Seit wir in der Türkei bei Regenwetter über einen Schlammweg gefahren sind, hat sich eine feste Schmutzschicht besonders über die rechte Seite verteilt. Gestört hat
uns das gleich, doch nie hat sich die Gelegenheit ergeben, diesen Zustand zu beheben. Heute wollen wir das in Angriff nehmen. Unser Ziel für diesen Samstag ist nicht weit entfernt, da haben wir Zeit
und im Internet konnte ich auf dieser Strecke schon einige „car wash“ - Stationen ausmachen. Gleich beim ersten Zugriff haben wir Glück: Kurz vor der Autobahnauffahrt nach Limasol ist eine
Waschstation, die in der Lage ist, auch größere Fahrzeuge zu reinigen. Ich fahre in die Waschhalle und gleich machen sich fleißige Hände daran, unser Mobil in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Tanken
können wir hier auch und der Luftdruck wird nebenbei ebenfalls überprüft. So fährt es sich doch gleich viel angenehmer. Bevor wir Limasol erreichen, machen wir noch Stopp bei einem Lidel, der hier
mit einer großen Filiale aufwartet. Eigentlich kaufen wir ja lieber bei einheimischen Anbietern, aber diesmal lag die Filiale direkt am Weg und das Angebot in Zygi war ausgesprochen spärlich.
Dank unserer App Park4Night bekommen wir wieder ganz unkompliziert einen Stellplatz direkt am Hafen. Wir machen uns dann gleich auf zu einer Besichtigungstour durch diese Stadt, die von den
politischen Ereignissen der letzten Jahrzehnte stark geprägt wurde. Der zyprische Bürgerkrieg brachte viele Flüchtlinge aus dem Norden hierher, damit verbunden war ein rasanter Bauboum verbunden mit
Bodenspekulation, der dieser Stadt am Meer nicht gut getan hat. Der Zusammenbruch des Ostblocks und die Kriege im Nahen Osten taten ihr Übriges. An eine geordnete Stadtentwicklung war nicht zu
denken. Da sich die ganze Stadt bis direkt ans Meer ausgedehnt hatte, beschloss man, das Stadtgebiet um eine Ruhezone zu erweitern. Der Küstenstreifen wurde großflächig aufgeschüttet und viele Bäume
und Palmen dort angepflanzt. So entstand eine breite Uferpromenade mit einem Skulpturenpark und Kinderspielplätzen. Eine gelungenes Beispiel für Stadterneuerung. Der alte Hafen wurde durch eine
Marina mit Restaurants und Hotels ersetzt. Die Altstadt bekam dadurch Luft, hier haben sich Künstler und Kunstgewerbebetriebe und auch Szenegaststätten angesiedelt. Es ist jetzt eine sehr junge
Stadt.
Marina am alten Hafen
Vor der neuen Uferpromenade
Skulptur an der Promenade
Orthodoxe Kirche in der Altstadt
Sonntag, 30. März
Jetzt haben wir in kürzester Zeit die vierte Zeitumstellung hinter uns gebracht - die erste gab es bei der Einfahrt nach Griechenland (+1 Std.), die zweite in der Türkei (+1 Std.), die dritte auf
Zypern (-1 Std.) und heute die vierte (+1 Std.). Uns macht es eigentlich nichts aus, wir leben mit der Sonne, nur wenn es auf die genaue Zeit ankommt, muss man schon mal acht geben. Wir verlassen
unseren Stellplatz am Hafen von Limassol nach dem Frühstück, die Straßen sind noch nicht belebt, und fahren zum Katzenkloster Agios Nikolaos. Die Schwesterngemeinschaft des Klosters versorgt die
streunenden Katzen der Umgebung mit Futter zum Gedächtnis an die Hl. Helena, die dem Kloster einst 100 Katzen zur Bekämpfung der Schlangenplage schenkte. Wir sehen hier heute nicht mehr Katzen als
anderswo, doch das Kloster ist groß…
Auch bei unserem nächsten Ziel, dem „Akrotiri Information Center“, das über die Zugvögel hier am Salzsee informiert, haben wir wenig Glück: Sonntags geschlossen, steht an der Pforte.
Dafür fahren wir durch ein Relikt des britischen Kolonialismus: England hat sich, als es 1960 Zypern in die Unabhängigkeit entließ, das Recht der militärischen Präsenz auf der Insel gesichert. Um den
Salzsee herum gibt es weitflächige Bereiche, die der britischen Regierung unterstehen.
Der Strand von Koúrion ist dann das Ziel, das wir für heute ansteuern.
Am Strand von Koúrion
Lazy Sundai Afternoon…
Montag, 31. März
Von unserem Stellplatz am Meer aus fahren wir in großem Bogen hinauf auf die Hochebene, die mit der Steilküste zum Meer abschließt. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf das in der Sonne
glänzende Meer. Hier liegt aber auch das antike Koúrion, das wie die ganze Insel den Wechselfällen der Geschichte unterworfen war. Gegründet von Kolonisten vom griechischen Festland, die hier ein
Abbild des ihnen vertrauten Hellos schufen. Die Eroberung durch die Römer unterbrach diese Kontinuität, gleichwohl war sowohl die hellenistische als auch die römische Epoche die Blütezeit der Stadt.
Durch den Niedergang Roms geschwächt und durch Überfälle von Piraten und Sarazenen bedrängt, wurde die Stadt im 7. Jh. nach Christus aufgegeben.
Wir parken auf dem Plato und erwandern uns diese antike Stadt entlang der Ausgrabungen. Wir bewundern die Mosaiken in der Villa des Eustolios, klettern auf die obersten Ränge des antiken Theaters,
wandern zur Basilika aus der frühchristlichen Zeit und entdecken das Forum und die Thermen. Ganz zum Schluss unserer ausgiebigen Besichtigungstour überrascht uns noch das Haus der Gladiatoren mit
weiteren freigelegten Mosaiken. In drei Kilometern Entfernung, befindet sich dann noch eine weitere Ausgrabung mit einem Tempel, der dem Gott Apollon gewidmet war. Insgesamt waren es gut 12.000
Schritte, die wir heute zurückgelegt haben. Am Strand von Pissouri finden wir wieder einen schönen Platz am Meer.